Freitag, 8. Februar 2013

Fundstück

Im Zusammenhang mit meinen Beiträgen über moderne MärchenerzählerInnen hier der Link zu einem sehr lesenswerten Artikel der Stuttgarter Zeitung: Glaubwürdigkeit im Internet

Besonders interessant finde ich dort folgenden Abschnitt Zitat Stuttgarter Zeitung: Die britische Journalistin Jenny Kleeman berichtete über Fälle, in denen Menschen schwere Krankheiten oder Traumata vortäuschen, um online von Unterstützern Sympathien einzusammeln - und dass derartige Phänomene in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Es ist eine neue Art von Online-Betrug, bei der die Leute nicht um ihr Geld gebracht werden, sondern um ihre Zeit und um ihr Mitempfinden. Alles, was die Betrüger bekommen können, ist Aufmerksamkeit. Wobei der Aufbau einer solchen falschen Identität oft Monate dauert und eingehende Recherchen erfordert, um eine bis ins Detail glaubwürdige Geschichte präsentieren zu können; um das Lügengespinst möglichst überzeugend wirken zu lassen, gehört meist noch eine Gruppe fiktiver Freunde dazu. Marc Feldman, Professor für klinische Psychiatrie an der Universität von Alabama und Autor des Buchs "Playing Sick" (zu deutsch: Krank spielen) hat für das Syndrom die Bezeichnung Münchhausen By Internet (MBI) eingeführt.

"Es war ein gutes Gefühl, die Zeit mit Menschen zu verbringen, die in erster Linie um mich besorgt waren", sagt eine frühere Identitätsfälscherin namens Jeannette. Nachdem sie einmal angefangen hatte zu lügen, konnte sie nicht mehr aufhören. Die Motivation für solche Taten erscheint auch Psychologen einleuchtend: Sympathie von Hunderten von Menschen im Netz zu bekommen fühlt sich einfach besser an, als wenn sie nur von einem Menschen im weißen Mantel kommt.
Zitat Ende.

Allerdings brauche ich da nun wirklich keine britische Journalistin bemühen. Das beste Beispiel dafür habe ich ja täglich vor Augen.

Freitag, 18. Januar 2013

Gemeinsamkeiten

Was haben Peer Steinbrück und die katholische Kirche gemeinsam?

Beide stolpern mit Beharrlichkeit von einem Fettnapf in den nächsten!

Mein Tipp für beide: öfter mal kleinere Brötchen backen und sich auf die eigentlichen Aufgaben besinnen.

Daseinsberechtigung?

Interessant, mit welcher Aussage sich der Herr Brüderle von der FDP angesichts dauerhaft schlechter Umfragewerte für seine Partei selber froh macht.

Er sagte: Die FDP hatte nie mehr als vier Prozent Stammwähler

Man muss sich ernsthaft fragen, mit welcher Berechtigung angesichts eines schon immer so geringen Zuspruchs für die FDP diese immer meinte und auch jetzt noch meint, sie würde gebraucht und müsse unbedingt an jedweder Regierung beteiligt sein.

Es könnte einem auch der Verdacht kommen, dass die sogenannten Stammwähler einzig und allein die mal mehr mal weniger aktiven FDP-Mitglieder sind. Peinlich, peinlich.

Doch so richtig peinlich wirds dann, wenn die Zahl der FDP-Wähler die der Mitglieder noch unterschreitet. Lange dauert das bestimmt auch nicht mehr.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Danke, ARD!

Am gestrigen Abend strahlte die ARD zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr einen erschütternden, deprimierenden Film aus zu einer widerwärtigen Sache, die leider ein immer größer werdendes Problem ist: Kindesmissbrauch und Kinderhandel. Filmtitel: Operation Zucker.

Link zur Sendung mit Infos: Operation Zucker

Es geht um Kinder, die in Osteuropa mit falschen Versprechungen von den Eltern weg in unser Land gebracht und dort skrupellos wie auf einem antiken Sklavenmarkt verschachert und zur Prostitution gezwungen werden. Sie werden schlimmer als Vieh gehalten und müssen die perversen Gelüste von Pädophilen mit biederem Saubermannimage befriedigen.

Und die Eltern dieser Kinder? Sie glauben häufig tatsächlich, dass da gute Menschen gekommen sind, die ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen können als es ihnen selbst in ihren ärmlichen Verhältnissen möglich ist. Die Kinder sollen es schliesslich besser haben.

Ermittlungen gegen diese Pädophilenringe werden erschwert durch die Verstrickung von hochrangigen und angesehenen Bürgern. Sogar Richter, Staatsanwälte und Politiker findet man unter ihnen. Engagierte Ermittlungsbeamte stehen dem viel zu oft hilflos gegenüber und der Film schildert eindringlich, wie sich die so dringend benötigte Hilfe und das beherzte Eingreifen, um die betroffenen Kinder aus diesen perversen Händen zu befreien, schlussendlich doch ins Leere Laufen.

Unüberschaubar scheint dieser schreckliche Sumpf menschlicher Absurditäten und Perversitäten. Da wird unter dem Deckmantel scheinbarer Kinderhilfsvereine dieser widerwärtige Kindesmissbrauch ausgelebt, Justizbeamte geben den Kinderhändlern und Kinderschändern Tipps bei geplanten Razzien, ausstiegs- und aussagewillige Insider werden nicht geschützt und so die Kinder diesem Horror weiter ausgeliefert.

Aufgrund der Altersbeschränkung der FSK konnte die ARD jedoch die ungekürzte Originalfassung des Films nicht um 20.15 Uhr ausstrahlen. Was also tun? Auf die Ausstrahlung dieses so wichtigen Films zur besten Sendezeit komplett verzichten?

Nein, ich denke, die ARD hat dies ganz gut gelöst. Die letzten Minuten, die nach Meinung der FSK keinem Zuschauer unter 16 Jahren zugemutet werden können, herausschneiden mit einem entsprechenden Hinweis. Gleichzeitig die ungeschnittene Originalfassung am späteren Abend nochmals ausstrahlen und zusätzlich über die Internet-Mediathek der ARD den Film zwischen 22.00 Uhr Abends und 6.00 Uhr Morgens zur Verfügung stellen.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Film noch öfter wiederholt wird, dass er nicht aus der Mediathek entfernt wird. Und dass noch mehr solcher Filme zu diesem Thema gezeigt werden, genauso einfühlsam aber gleichfalls verstörend und aufrüttelnd.

Den Kritikern dieses Filmes sei gesagt: es ist wichtig, immer und immer wieder solche Sendungen zu zeigen. Egal, wie psychisch mitgenommen der eine oder andere zartbesaitete Zuschauer dabei auch ist oder wird. Denn das ist nichts im Vergleich zu dem, was die betroffenen Kinder durchmachen müssen. Und wegschauen oder sich nicht darüber informieren heisst nicht, dass es diese furchtbaren Dinge nicht gibt. Jeder soll erfahren, welch widerwärtigen Subjekte, die sich trotz allem noch Mensch nennen dürfen, es überall in unserer Mitte gibt. Und wie gewissenlos und ohne jegliches Unrechtsbewusstsein über ihr Tun sie vorgehen. Menschlich ist das auf keinen Fall.

Den so missbrauchten Kindern ist ihre gesamte Zukunft, ihr ganzes Leben, ihre Seele genommen. Sie sind die Opfer, das darf man niemals vergessen. Ihnen muss geholfen werden, mehr und intensiver als bisher. Sie sind unschuldig an ihrer Situation und dem, was aus ihnen in der Folge des Missbrauchs wird.

Und bitte weniger Hilfe für die Täter, statt dessen mehr und höhere Strafen. Denn wofür Hilfe? Sie haben die Entscheidung für ihr Tun selbst getroffen. Also sollen sie auch die Konsequenzen daraus selbst tragen.

Meine ganz persönliche Meinung: leider ist die in meinen Augen einzige gerechte Strafe dafür in unserem Land, so wie in vielen anderen auch, abgeschafft. Mir ist klar, dass Viele jetzt wieder aufjaulen. Aber die sollen bitte daran denken, dass diese Subjekte (ich weigere mich, sie Menschen zu nennen) den von ihnen gebrauchten und missbrauchten Kindern ihr Leben genommen haben. Warum sollte man es ihnen, den Tätern, dann lassen?

Mittwoch, 16. Januar 2013

Gefährlich gutgläubig

Man kann sich nur wundern über diejenigen, die die Märchen über Auslandsaufenthalte in heiklen Ländern auf den diversen Internetplattformen erzählt bekommen. Wie man weiss wird gerade das Internet in einigen Ländern ja zensiert und nicht alle Inhalte sind grenzenlos verfüg- und aufrufbar. Aber die verzückten MärchenleserInnen verschwenden daran anscheinend keinerlei Gedanken und kommen gar nicht auf die Idee, da was zu hinterfragen... Oder eben mal IPs zu checken.

Dienstag, 15. Januar 2013

Arme Pfarrer, arme Kirchen

Die Erzählungen meiner Eltern von "Damals" sind mir noch gut in Erinnerung. Erzählungen über meine Großeltern, die ich bewusst nie kennenlernte, weil sie leider verstarben als ich noch ein Baby war.

Darunter waren Erzählungen von sorgenden Ärzten und Pfarrern. Der Pfarrer kümmerte sich um alle seine Gemeindeschäfchen, ganz gleich ob sie zu jedem Gottesdienst antrabten oder nicht. Er hielt in den Schulen Religionsunterricht, der Kindergottesdienst wurde von ihm höchstpersönlich gehalten, Sonntagsschule selbstverständlich auch. Schwer kranke Gemeindemitglieder wurden zuhause regelmäßig besucht, so auch meine Großeltern, die sich über die mindestens einmal wöchentlichen Besuche sehr freuten, waren sie beide doch sehr krank und hatten außerdem den Verlust eines Sohnes in den letzten Kriegstagen nie verwunden.

Die Alten konnten ihre Geburtstage kaum erwarten, war doch das Highlight immer der Pfarrersbesuch und natürlich bekam der immer etwas Besonderes zur Bewirtung vorgesetzt, auch in den schlechtesten Zeiten. Das war echte Nähe zur Gemeinde, so hielt man Kontakt und seine Schäfchen auch jenseits von Gottesdiensten beieinander. Und natürlich war der Pfarrer dadurch bestens informiert über das, was in seiner Gemeinde vor sich ging und was die Menschen beschäftigte und bewegte. Gleichzeitig war es Gelegenheit zu Unterhaltung mit dem Rest der Familie (Kinder, Enkel, Neffen, Nichten usw.) und so waren die nächsten Generationen von Kirchgängern oder wenigstens Gläubigen schon so gut wie gesichert.

Und heute? Die Zeiten, in denen Pfarrer sich intensiv um die Kinder und Jugendlichen kümmerte, sind lange vorbei. Sonntagsschule gibts in den allermeisten Gemeinden nicht mehr. Kindergottesdienst, wenn überhaupt, alle paar Wochen mal, wenn man Glück hat. Dafür hat der Pfarrer selbst keine Zeit, also machen das ein paar ehrenamtliche Helfer. Genau wie Kinder- und Jugendkreise oder Jungscharen, Bibelkreise, Frauenkreise usw.

Kranke werden ab und zu mal im Krankenhaus besucht, einmal vielleicht, selbst wenn sie monatelang dort um ihr Leben kämpfen. Das aber dann doch vom Pfarrer persönlich, wenns gerade in den Terminkalender passt. Sind sie wieder zuhause, wird nicht mal mehr nachgefragt, wie es denn geht. Auch wenn die Krankenhäuser heutzutage eine Entlassungsmeldung an die Kirchengemeinden genauso geben wie Mitteilungen, dass derjenige überhaupt im Krankenhaus ist. Gerade für alte Menschen ist das sehr enttäuschend, kennen sie es aus ihrer eigenen Kinder- und Jugendzeit ja anders. Und sich aufdrängen oder um einen kurzen Pfarrersbesuch betteln möchten sie nicht.

Für Geburtstagsbesuche bei den Alten sind schon lange Altersgrenzen eingeführt. Da können die Betagten schon froh sein, wenn diese Grenze bei 75 Jahren liegt und der Pfarrer wenigstens alle 5 Jahre zum Gratulieren persönlich für 5 Minuten auftaucht. Ansonsten wirds auch wieder ehrenamtlichen Helfern überlassen, die aber auch die jährlich vorgesehenen Geburtstagsbesuche nicht immer wahrnehmen - warum auch immer.

Dabei sind gerade die Senioren noch stärker mit den Kirchen und somit auch dem Pfarrer verbunden und möchten sich, jenseits von der Familie, auch in dieser Gemeinschaft geborgen und erwünscht fühlen. Das aber ist Mangelware geworden und teilweise absolute Fehlanzeige. Dabei gehören gerade solche Pfarrersbesuche zu den wenigen Lichtblicken, die vor allem die überwiegend an Haus und Wohnung gefesselten Senioren noch haben in ihrem oft doch sehr mühsam gewordenen Leben mit abnehmendem Kontakt zur Außenwelt, da auch ihre Freunde und Bekannten ebenfalls schon alt und nicht mehr so mobil, ja oft selbst bettlägerig oder pflegebedürftig sind.

Klar, es gibt heute mehr Senioren als früher. Und klar, die Bevölkerungszahl ist heute höher als früher. Muss man die armen Pfarrer, die armen Kirchen, also bedauern, wo sie doch so überlastet und überarbeitet sind?

Aber: jammern die Kirchen und ihre Pfarrer nicht ständig über die stetig abnehmende Zahl der Gläubigen und die steigenden Kirchenaustritte? Ich wage zu bezweifeln, dass ein Pfarrer heutzutage eine größere Zahl von Gemeindemitgliedern zu betreuen hat als früher sondern eher eine geringe. Das spiegelt sich ja auch darin wieder, dass ständig Gemeinden zusammengelegt werden in einem immer größeren Umkreisen.

Ja, da muss der Pfarrer natürlich viel längere Wege zurücklegen als früher, um zu seinen Gemeindemitgliedern zu kommen. Früher hatte jedes Dorf seinen eigenen Pfarrer, heute hat ein Pfarrer mehrere Dörfer/Orte zu betreuen, in denen er seine Gottesdienste abhalten muss (sofern die dortigen Gemeindemitglieder überhaupt das Glück haben, noch einen eigenen Gottesdienst am Wohnort zu bekommen und sich nicht selbst in einen anderen Ort begeben müssen, wenn sie an einem Gottesdienst teilnehmen möchten). Aber die Gesamtzahl der Gemeindemitglieder ist doch nicht höher als früher.

Und der Pfarrer geht auch nicht mehr zu Fuß oder kurvt mit dem Fahrrad herum. Er hat ein bequemes Auto, mit dem er heute schneller eine große Entfernung zurücklegen kann als es den Pfarrern früher bei viel geringeren Entfernungen möglich war.

Warum also werden diese Formen von Gemeindearbeit und Seelsorge so vernachlässigt und immer weiter beschnitten? Es gibt nun mal Menschen, für die ist der Gemeindepfarrer eine Vertrauensperson, ein Gemeindediakon oder ein ehrenamtlicher Helfer aber noch lange nicht.

Da brauchen sich die Kirchen wirklich nicht wundern, wenn die Zahl der Gläubigen immer weiter abnimmt. Denn nicht mehr der Pfarrer kommt, um neue Gemeindemitglieder zu gewinnen. Auch nicht die Ehrenamtlichen und sonstige Helfer. Nein, der zu Bekehrende hat gefälligst selbst bei der Kirche vorstellig zu werden und sich dort bekehren zu lassen. Da sagen sich eben viele Menschen: naja, den Pfarrer/die Kirche interessiert es ja nicht

Liebe Pfarrer, Kirchen und Kirchenverantwortliche, denkt doch darüber einmal nach. Lasst die Nähe zu den Dorf- und Stadteinwohnern wieder zu. Bemüht Euch mehr um die Menschen - von den Kindern bis hin zu den Großenkeln. Zeigt, dass Euch die regelmäßigen Kirchgänger genauso wichtig sind wie die, die Ihren Weg zum Glauben noch suchen oder ihn verloren haben.

Stellt Euch nicht auf die Kanzel, an den Altar oder an die Kirchentüre und wartet, bis die Menschen zu Euch kommen, sondern geht zu den Menschen. Darauf warten so Viele. Und ebenso viele sind dieser Warterei bereits überdrüssig geworden.

Zitat aus der Wikipedia: "Die christliche Mission beruft sich auf Jesu sogenannten Missionsbefehl: Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe (Mt 28,19-20a EU, ähnlich bei Mk 16,15 EU). Im frühen Mittelalter warben insbesondere die irischen Wandermönche für die wachsende christliche Kirche."

Doch Ihr habt Euch aus der Mission schon lange verabschiedet, sowohl hier als auch in fremden Ländern. Ihr begeht sozusagen Befehlsverweigerung. Oder glaubt Ihr, die christliche Weltgemeinschaft wäre in grauer Vorzeit so groß und erfolgreich gewesen, wenn die Apostel und deren unzählige Nachfolger sich so fern von allen noch nicht "bekehrten" Menschen gehalten hätten wie Ihr heute? Nein, sie haben keine Mühen gescheut und sind zu ihnen gegangen, nicht umgekehrt.

Ihr meint, das Medium Internet müsse heute Euer wichtigstes Sprachrohr sein. Aber Eure Botschaften dort sind nur wenige unter unzählig vielen. Sie werden manchmal gesehen, zur Kenntnis genommen und wegen aktuellerer Berichte gleich wieder vergessen. Und oft werden sie nicht einmal gelesen. Es ist den Menschen, die sich nach Geborgenheit, Trost und Gemeinschaft sehnen, zu unpersönlich.

Zu viel Zeit verschwendet Ihr damit, Euch gegen Angriffe verbal zur Wehr zu setzen, Euch zu verteidigen, Kritik mit Gegenkritik zu antworten. Und zu viel Wert wird auf anonyme Tingeltangelmassenveranstaltungen und spektaluläre Medienauftritte anstatt auf den Menschen Vertrauen gebende Gespräche und Kontakte in kleinerem, intimerem Rahmen gelegt. Werdet aktiv, tut etwas anstatt nur darüber zu schwadronieren, dass etwas getan werden muss.

Lasst mehr persönlichen Kontakte zu anstatt sie weiter zu beschneiden. Diese Zeit müsst Ihr Euch wieder nehmen, so gestresst und überarbeitet könnt Ihr nicht sein, wo Ihr immer mehr von dem, was die Pfarrer früher an Aufgaben hatten, abgebt. Das sollte es Euch wert sein. Und es wäre mit Sicherheit im Sinne Jesu.

Und Ihr Pfarrer, wo sind diejenigen von Euch, die Ihr Eure Tätigkeit nicht als Beruf sondern als Berufung seht? Sicher hab es früher auch solche unter Euch, die es einfach als Beruf ansahen. Aber heute vermittelt Ihr den Eindruck, als gäbe es keine Berufenen mehr unter Euch. Feste Bürozeiten, vielleicht 2 Stunden täglich, besetzt mit Minijobbern. Ansonsten wird man vom Anrufbeantworter auf Büro-, Sprech- und Urlaubszeiten verwiesen. Auch auf freie Tage. Sicher, freie Tage gesteht jeder auch dem Pfarrer zu. Und zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit stehen müsst Ihr auch nicht. Aber ein bisschen flexibler könnte doch möglich sein, oder? Denn Sorgen, Trauer, Leid und auch Geburt und Tod richten sich nicht nach Euren freien Tagen und Bürozeiten.

Von jedem Arbeitnehmer wird zunehmende Flexibilität gefordert. Aber bei Euch wird alles immer starrer und immer unflexibler.

Montag, 14. Januar 2013

Verboten!

Früher wars einfacher. Man sagte, dass man bestimmte Menschen, Dinge oder Vorgänge nicht mochte und gut wars. Klar, da kam dann schon mal die Frage nach dem Warum. Aber man hats erklärt und es wurde zur Kenntnis genommen. Heute ist das nicht mehr so leicht.

Ich darf sagen, dass ich Herrn X nicht mag und Frau Y mir unsympathisch ist. Kein Problem. Eigentlich. Aber uneigentlich gestaltet es sich schwieriger.

Ist Herr X kein gebürtiger deutscher Ureinwohner, dann bin ich fremdenfeindlich.
Ist Frau Y nicht weisser Hautfarbe, bin ich Rassist.
Ist Herr X zufällig homosexuell, bin ich schwulenfeindlich.
Ist Frau Y Jüdin, bin ich Nazi.

Das sind die grundsätzlichen Unterstellungen. Zusätzlich kommts aufs eigene Geschlecht an, dann bin ich wahlweise zusätzlich männer- oder frauenfeindlich.

Umgekehrt, wenn Herr X und Frau Y mich unter den gleichen genannten Voraussetzungen nicht mögen, dann ists normal. Da kommt keine Unterstellung in Richtung Herrn Y und Frau Y, sie wären deutschenfeindlich, heterofeindlich oder rassistisch.

Ganz übel, wenn ich im direkten Gespräch mit Herrn X oder Frau Y vielleicht noch so weit provoziert werde, mich dazu hinreissen zu lassen, sie als doof zu bezeichnen. Dann ist mir eine Anzeige wegen Beleidigung schon so gut wie sicher. Umgekehrt muss ich mir aber von Herrn X und Frau Y unter den genannten Umständen übelste Schimpftiraden gefallen lassen. Das ist eben normal, man hat es hinzunehmen, ist ja schliesslich selbst schuld, warum hat man auch so verdrehte Ansichten und ist ....feindlich?

Wisst Ihr da draussen, die immer sofort mit den Nazi-, Rassisten-, Schwulenfeindlichkeits- und anderen -Keulen um Euch haut, eigentlich, wie verrückt und intolerant das von Euch ist? Ihr fordert immer Toleranz und Akzeptanz von anderen. Aber damit ists bei Euch selbst nicht weit her.

Merkt Euch eins: wenn mir die Nase von Herrn X nicht passt und das Verhalten von Frau Y auf die Nerven fällt, dann sag ich das. Das hat nichts mit deren Herkunft, sexueller Orientierung oder Religionszugehörigkeit zu tun. Wären sie deutsch, heterosexuell und Christen, hätten aber die gleichen Nasen und das gleiche nervige Verhalten, würde ich sie auch nicht mehr mögen.

Und wenn ich gegen das Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren bin, dann hat das nichts mit Homophobie zu tun oder dass ich ihnen das Recht auf Gleichstellung absprechen würde. Denn Ihr verwechselt da eindeutig was in Bezug auf Gleichstellung, Rechte und Gleichmacherei.

Man kann nun mal die Natur nicht per Gesetz ausser Kraft setzen. Männer zeugen Kinder, Frauen bringen sie auf die Welt. Es wird schon seinen Grund haben, dass Menschen keine sich selbst vermehrenden Zwitterwesen sind. So wie alles in der Natur seinen guten Grund hat. Warum denn gibt es diese Geschlechtsunterschiede? Die sind doch nicht willkürlich von bösen Homophoben erfunden worden.

Aber bitte: wenn ein Mann ein Kind zur Welt bringen kann und eine Frau ein Kind zeugen kann, dann werde auch ich nichts mehr gegen das von Euch so vehement geforderte Adoptionsrecht haben.

Aber damit hab ich bestimmt schon wieder was Verbotenes von mir gegeben...

Sonntag, 13. Januar 2013

Tipps für unfreiwillige Märchenkonsumenten im WWW

Falls Internet-MärchenerzählerIn mal wieder was von längerem Aufenthalt auswärts (sei es zu einem wichtigen Geschäftsmeeting, einer Messe, Auslandsaufenthalt oder Ähnlichem mit natürlich notwendiger Einquartierung in einem Hotel) oder von kurzfristigem Auswärtstermin (dieser natürlich mit Onlinezugang leider nur über Internetcafe) erzählt hat, man aber - welch freudige Überraschung - trotzdem regelmäßig Mails, Gästebucheinträge oder Kommentare vorfindet, ist es an der Zeit (bezugnehmend auf meinen vorigen Beitrag Moderne MärchenerzählerInnen), doch ein bisschen gesundes Misstrauen an den Tag zu legen.

Sollten Sie etwaige Parallelen aus meinen genannten Beispielen auf Ihrer Homepage/Ihrem Blog oder in Ihrem Account bei einem sozialen Netzwerk entdeckt haben, hier ein paar kleine Tipps, wie man das Ganze auf Wahrheit oder Märchen überprüfen könnte:
  • Einige Mailanbieter packen die IP des Absenders in den sogenannten "erweiterten Header" der Mail. Sofern der Absender einen solchen Mailanbieter nutzt, kann man leicht die Absende-IP auf den ungefähren Standort hin überprüfen über sogenannte Online-IP-Abfragen. Zumindest ist dann schon mal ein vorgeschwindelter Auslandsaufenthalt aufgeflogen.
  • Aber Achtung, um nicht fälschlicherweise zu verurteilen: Manche Mailanbieter geben im erweiterten Header die Absende-IP nicht an sondern nur die vom eigenen Mailserver. Aber das fällt bei der nachfolgenden Standort-IP-Abfrage eigentlich schon auf, zumal die Mailanbieter in der Regel feststehende IPs haben.
  • Andere Möglichkeit, sofern der Mailanbieter die Absende-IP nicht anzeigt: vielleicht hat man ja einen eigenen Webspace, wo man seine HP oder seinen Blog selbst gehostet hat. Da könnte man ein Bildchen hochladen und selbst in eine (Antwort-)Mail an Märchenerzähler/In packen, egal ob im Text, im Anhang oder einfach nur als Link. Wird von MärchenerzählerIn die Mail mit dem Bild geöffnet oder das Bild aufgerufen, kann man in den Webspacestatistiken ebenfalls die IP des Betrachters erkennen (es sollte natürlich ein Bild sein, dass man sonst nirgends veröffentlicht hat, das macht die Sache einfacher). Für die nun bekannte IP gilt in Sachen Abfrage das Gleiche wie im vorigen Punkt.
  • Natürlich kann man auch, sofern man Gästebucheinträge oder Kommentare vorfindet, und sinnigerweise auf seiner HP oder seinem Blog einen Besucherzähler mit IP-Auswertung eingebaut hat, ebenfalls sehr leicht die IP des Schreiberlings herausfinden. Und auch hier gilt: Abfrage der herausgefundenen IP wie vor.
  • Tummelt man sich zusammen mit MärchenerzählerIn in einem Forum ist es natürlich nützlich, wenn man selbst der Forenbetreiber oder Admin ist. So lässt sich die IP sehr schnell herausfinden.
    Ist man nur normales Forenmitglied kann eine freundliche Anfrage beim Forenbetreiber oder Forenadmin diesbezüglich weiterhelfen.
  • Noch viel einfacher, falls einem die Telefonnummer von MärchenerzählerIn bekannt ist: Rufen Sie doch einfach (selbstverständlich unangekündigt) während der angeblichen Abwesenheit mal an. Das Ergebnis könnte ziemlich aufschlussreich sein.
Und sollten Sie anhand dieser Tipps MärchenerzählerIn entlarvt haben, dürfen Sie gespannt sein auf die darauf folgenden Ausreden.

Samstag, 12. Januar 2013

Moderne Märchenerzähler/Innen

Was zeichnet moderne MärchenerzählerInnen aus? Menschen, die Geschichten über sich und ihr Leben erfinden, um sich für andere interessant zu machen. Aber was ist daran modern? Es gab sie doch schon immer, die AufschneiderInnen, die PrahlerInnen.

Nun, modern ist eben, dass man sie gehäuft im Internet findet. Überall begegnen sie einem. Auf stinknormalen Homepages, in Foren, in Chats, in Kommentaren auf Medienseiten, in Blogs und natürlich immer häufiger bei den sogenannten sozialen Netzwerken. Dort immer öfter, weil immer mehr Menschen sich diesem Trend unterwerfen und es mittlerweile als Must-have gilt, dort einen Account zu haben. Wer nicht dort ist, ist von vorgestern.

Nur: vorgestern fand man Märchen in Büchern. Und wenn die Mitmenschen Bären (-Märchen) aufbanden, dann konnte man die Bäckchen erröten sehen bis hin zu tomatenroten Gesichtern oder man konnte sich meistens anhand von Gestik und Mimik einen Reim auf den Wahrheitsgehalt des Erzählten machen.

Heute tummeln sich die aufgebundenen Bären also im immer wichtiger gewordenen Internet. Würde man diese vielen Bären wiegen wollen, es gäbe auf der ganzen Welt keine einzige Waage, auf die sie alle passen würden.

Da wird das morgendliche Brötchenholen beim Bäcker im Nachbarhaus zur Abenteuerreise durch die Sahara. Der Anpfiff vom Chef wird zur mutigen Verteidigung ungerecht behandelter Kollegen. Der morgendliche Kater ist grundsätzlich eine massive Kreislaufstörung. Im Suff geschriebenes wirres Zeug war die Katze, die unbemerkt während der Pinkelpause über die Tastatur getollt ist (noch besser um Mitleid bei seinen virtuellen Freunden zu erwecken ist es natürlich, man behauptet man stünde wegen einer schlimmen Krankheit unter starken Medikamenten).

Das Abholen des neuen Personalausweises ist ein wichtiger Geschäftstermin. Eine simple Kneipenschlägerei war doch in Wahrheit der nächtliche Überfall einer Räuberbande auf dem Weg vom noblen Chef-Einladungs-Abendessen nachhause. Der früher einmal in der Schreibstube abgeleistete Wehrdienst mutiert zum traumatischen Kriegseinsatz. Seit Jahren verzweifelt nach Arbeit Suchende sind gefragte Berater von Weltkonzernen.

Die beim Ein-/Ausparken im Weg stehende Straßenlaterne war ein unvermeidbarer Unfall auf blitzvereister Autobahn bei Tempo 180 und dem weitgehend unverletzten Überleben mit ganz viel Glück oder einem super guten Schutzengel. Und wenn man Gefahr läuft, sich in den Märchen allzusehr zu verirren und sich am Ende bei den virtuellen Freunden zu verraten dann nimmt man eine Auszeit, in der man entweder total beschäftigt, auf Geschäftsreise oder eben mal kurzfristig auf Weltreise ist.

Ab und zu oder auch regelmäßig miteinander zu telefonieren, schützt vor den Märchen nicht. Denn natürlich darf man nur nach vorheriger Absprache anrufen. Und tut man es intuitiv doch mal ohne Absprache, einfach weil einem gerade danach ist oder man meint aufgrund bestimmter (märchenmäßiger) Vorfälle seine unterstützende Anwesenheit damit demonstrieren möchte, passiert es überlicherweise, dass man ganz schnell abgewürgt wird - MärchenerzählerIn ist gerade im Aufbruch oder nicht in der Stimmung. Oder man hat erstaunlicherweise erst mal andere Personen an der Strippe - Ausreden dazu 3 Absätze weiter unten, schnelles Abwürgen inklusive. Und selbstverständlich später entweder ziemlicher Aufstand, dass man einfach so angerufen hat, ohne einen festen Termin abzusprechen, oder ein weiteres zu Tränen rührendes Märchen, warum man nicht in der Lage war, ein Gespräch zu führen. Bezeichnend für MärchenerzählerInnen ist ebenfalls, dass sie sich i.d.R. anrufen LASSEN und nie selbst die Initiative ergreifen.

Trifft man sich tatsächlich mal mit solchen virtuellen Bekanntschaften, ists natürlich ungleich schwieriger, die Märchen alle noch ordentlich zusammenzubekommen. Schliesslich hat man da keine Textdateien mit gespeicherten Unterhaltungen zur Hand, in denen man schnell mal nachschauen kann, wenns irgendwo hakt oder man sich verzettelt hat. Da braucht MärchenerzählerIn tatsächlich ein sehr gutes Gedächtnis.

Ausserdem wird bei einem solchen Treffen die alte Familienkutsche schon mal zum von Nachbarn ausgeliehenen Vehikel, weil das eigene kurzfristig in die Werkstatt musste. Man schämt sich schliesslich nach all der Prahlerei, weil man nicht den neuesten Luxusschlitten vorweisen kann. Oder man behauptet, man brauche ja normalerweise kein eigenes Auto sondern habe normalerweise freien Zugriff auf Firmenwagen - grade mal nicht möglich aus diversen Gründen - oder hasst eigentlich diese Rohstoffvergeudung und nutzt lieber öffentliche Verkehrsmittel.

Und mal ehrlich: bei so vielen zu Onkeln/Tanten, Cousins/Cousinen, Geschwistern, Kumpels oder Kumpelinen mutierten EhepartnerInnen und LebensgefährtInnen müsste die Bevölkerungszahl in unserem Land eigentlich viel höher sein als die offizielle Statistik sagt, oder?

Aber geglaubt werden diese ganzen abenteuerlichen Stories von den virtuellen Freunde und Bekannten. Und so fühlt sich MärchenerzählerIn richtig toll, geniesst er/sie schließlich viel Aufmerksamkeit und wird von allen Seiten hofiert und gebauchpinselt. Und je besser, schöner, gewählter, fehlerfreier und schlauer sich MärchenerzählerIn ausdrücken kann, deste eher werden die Geschichten geglaubt. Man staunt über die enormen Kenntnisse, die oft aus Internet- oder Buchrecherchen stammen. Und im Internet ist es auch ein Leichtes, Stadtpläne und Umgebungspläne aus aller Welt zu finden. Wo früher MärchenerzählerIn mit dem Finger auf die Landkarte musste, genügen heute einige Mouseklicks und vielleicht das eine oder andere Bildbearbeitungsprogramm.

Das größte Problem, dass diese modernen MärchenerzählerInnen allerdings haben, wenn sie in einer festen Beziehung leben und nicht das Singledasein geniessen können, ist, dass die Märchenstunde zuhause weitergehen muss. Da wird ein reales Treffen mit virtuellen FreundInnen/Bekannten als kurzfristiger wichtiger Amtstermin ausgegeben oder eben auch mal als wichtige Geschäftsreise. Wurde tatsächlich im realen Leben die virtuelle Bekanntschaft mal erwähnt (wenn auch nicht so, wie sie sich im Netz tatsächlich darstellt), dann ists eben ein wichtiger Kontakt, den man sich warmhalten muss um beruflich weiterzukommen. Aber es ist ja gaaaaar nichts dabei, alles nur rein praktisch gesehen.

Dumm nur, wenn die "Familie" von MärchenerzählerIn für dümmer und naiver gehalten wird, als sie tatsächlich ist. Denn irgendwann bringts die Sonne an den Tag. Das sind dann die Vor- und (für MärchenerzählerIn) Nachteile des wahren Lebens.

Auch wenn ich diese heutzutage überall anzutreffende "/innen"-Schreibweise nicht mag, ja sogar regelrecht affig finde, benutze ich sie hier mit voller Absicht selbst. Denn es soll nicht der Eindruck entstehen, ich würde mit der einen oder anderen Aussage nur Männer oder nur Frauen meinen, denn im Grunde gibt es von solchen Exemplaren auf beiden Seiten genügend Vorzeigeobjekte.

Stardust

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Stardust2012 - 8. Feb, 11:21
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Stardust2012 - 18. Jan, 10:00
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Stardust2012 - 18. Jan, 09:56
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Stardust2012 - 17. Jan, 12:07
Gefährlich gutgläubig
Man kann sich nur wundern über diejenigen, die die...
Stardust2012 - 16. Jan, 23:06

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